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Mehrtagestour durch das Kaisergebirge

05.09.2026

12 Wanderbegeisterte der DAV-Sektion Sinsheim machten sich auf den Weg ins Kaisergebirge und erlebten dort eine Wandertour der besonderen Art.

Samstag, 05.09.2026 – Auftakt ins Kaisergebirge

Route: Parkplatz Kaiserlift / Kufstein – Kaiserstiege – Ritzau Alm

Unsere Fünftagestour begann im Kufsteiner Stadtteil Sparchen am Parkplatz des Kaiserlifts (499 m). Über die bekannte Kaiserstiege, einen historischen Versorgungs- und Zugangsweg mit rund 280 Stufen, stiegen wir hinauf ins sanfter geschwungene Terrain des Zahmen Kaisers. Unser Tagesziel war die gemütliche Ritzau Alm (1.161 m).

Wissenswertes & Historie:

Das Kaisertal war bis zum Jahr 2008 das letzte bewohnte Tal Österreichs ohne Straßenanbindung. Sämtliche Güter – selbst Kühlschränke und Baustoffe – mussten jahrhundertelang über die Kaiserstiege getragen oder mit einer Materialseilbahn befördert werden, bevor der Bärnstatt-Tunnel errichtet wurde.

Sonntag, 06.09.2026 – Über den Hauptkamm des Zahmen Kaisers

Route: Ritzau Alm – Vorderkaiserfeldenhütte – Naunspitze – Petersköpfl – Pyramidenspitze – Hochalm – Stripsenjochhaus

Früh morgens ging es vorbei an der Vorderkaiserfeldenhütte (1.388 m), die sich derzeit in einem umfassenden Neubau bzw. Modernisierungsprozess befindet. Über den baumfreien Grat stiegen wir auf die markanten Aussichtsgipfel der Naunspitze (1.633 m) und des Petersköpfls (1.745 m), bevor wir den bekanntesten Gipfel des Zahmen Kaisers erreichten: die Pyramidenspitze (1.997 m).

Nach einer wohlverdienten Gipfelrast und einem Panoramablick über das Inntal führte uns der Abstieg vorbei an der Hochalm (1.405 m) zum Stripsenjochhaus (1.577 m). Die Hütte liegt auf dem Stripsenjoch – der Wasserscheide zwischen Kaisertal und Kaiserbachtal sowie der geografischen Nahtstelle zwischen Zahmem und Wildem Kaiser. Nicht umsonst gilt das Stripsenjochhaus als die zentrale „Drehscheibe“ des gesamten Kaisergebirges.

Sage zur Pyramidenspitze:

Der Volksglaube erzählt, dass auf den Hochflächen des Zahmen Kaisers einst gottesfürchtige Sennerinnen lebten, die jedoch durch Reichtum übermütig wurden und Butter sowie Milch verschwendeten. Zur Strafe verwandelte ein Unwetter die saftigen Almen in das heutige karge, verkarstete Felsplateau rund um die Pyramidenspitze.

 

Montag, 07.09.2026 – Im Herz des Wilden Kaisers

Route: Stripsenjochhaus – Steinerne Rinne / Eggersteig – Ellmauer Tor – (Hintere Goinger Halt) – Jubiläumssteig / Klamml – Gruttenhütte

Am Montagmorgen stiegen wir zunächst ein kurzes Stück ab zum drahtseilgesicherten Einstieg in die legendäre Steinerne Rinne. Über den eindrucksvollen Eggersteig ging es mitten durch die düstere, steile Felsenschlucht empor. Links und rechts ragen die gigantischen Kletterwände des Predigtstuhls (2.116 m) und der Fleischbank (2.186 m) empor – eine Kulisse von einmaliger Dramatik.

Der Steig führte uns hinauf zum Ellmauer Tor (1.997 m), der tiefsten Einsattelung im Hauptkamm des Wilden Kaisers. Von hier bot sich ein grandioser Weitblick nach Süden bis zum Hauptalpenkamm mit dem Großvenediger (3.657 m). Ein Teil der Gruppe nutzte die Chance und stieg rasch noch auf die benachbarte Hintere Goinger Halt (2.192 m) auf.

Beim Weiterweg zur Gruttenhütte (1.620 m) teilte sich die Gruppe: Während die einen den ausgesetzten, felsigen Jubiläumssteig wählten, entschied sich der andere Teil für den Weg durch das Klamml, ein enges, felsiges Nadelöhr an den Wänden unterhalb der Gruttenhütte.

Klettergeschichte pur:

Die Steinerne Rinne sowie Fleischbank und Predigtstuhl sind Wiege und historisches Epizentrum des alpinen Felskletterns. Hier schrieben Alpin-Pioniere wie Hans Dülfer (Erfinder des Dülfersitzes) und Paul Preuß Anfang des 20. Jahrhunderts und spätere Legenden wie Reinhard Karl aus Heidelberg Klettergeschichte. Die Route durch die Fleischbank-Ostwand galt jahrzehntelang als einer der schwersten Felswege der Alpen.

Alexander und Thomas Huber ("Die Huberbuam") nutzten die Steinerne Rinne jahrzehntelang als ihr Trainings- und Erstbegehungsrevier. Sie eröffneten und befreiten dort extrem anspruchsvolle Bigwall-Routen im obersten X. und XI. Grad.

Dienstag, 08.09.2026 – Königsetappe am Scheffauer

Route: Gruttenhütte – Wilder-Kaiser-Steig – Kaiser-Hochalm – Scheffauer – Widauersteig – Kaindlhütte

 

Der Dienstag führte uns auf dem Wilder-Kaiser-Steig (WKS) unter den mächtigen Kaiser-Südwänden entlang. An der malerischen Kaiser-Hochalm (1.417 m) legten wir eine Pause ein und genossen kühle Getränke aus dem Selbstbedienungs-Almbrunnen.

Hier teilte sich die Gruppe erneut:Die Genießer folgten weiter dem ruhigen Wilder-Kaiser-Steig über grüne Almreviere.

Die Gipfelstürmer machten sich an den steilen Aufstieg zum Scheffauer (2.111 m), dem markanten westlichen Eckpfeiler des Wilden Kaisers. Der Gipfel belohnte mit einem überwältigenden Rundblick auf den Hintersteiner See, das Inntal und die Bayerischen Voralpen.

Der Abstieg erfolgte über den Widauersteig, einen Klettersteig (Schwierigkeitsgrad A/B) der absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert. Am späten Nachmittag trafen sich alle wohlbehalten auf der sonnigen Terrasse der Kaindlhütte (1.293 m, Steinbergalm) wieder, um den gelungenen Tag ausklingen zu lassen.

Mittwoch, 09.09.2026 – Abstieg

Route: Kaindlhütte – Brentenjoch / Liftstation – Kufstein

Nach drei Tagen bilderbuchmäßigem Föhn- und Kaiserwetter kündigte sich am letzten Tag der vorhergesagte Wetterumschwung an. Dichte Wolken begleiteten uns auf einer kurzen Schlusswanderung hinüber zum Brentenjoch (1.200 m). Von dort ging es entspannt mit dem Kaiserlift schwebend hinab nach Kufstein zum Ausgangspunkt unserer Tour.

Fazit:

Eine abwechslungsreiche und eindrucksvolle Gebirgsdurchquerung, die von sanften Almgraten im Zahmen Kaiser bis zu den kühnen, sagenumwobenen Felsfluchten des Wilden Kaisers alle Facetten dieses einzigartigen Tiroler Massivs bot.

Herzlichen Dank an unseren Tourenleiter Jochen Fuchs für wunderbare gemeinsame Wandertage im Kaisergebirge mit bestem Bergfeeling.

 

 

Text: Jochen Fuchs

Redaktion: Micha Steigleder