Wandern Mitte November? Der verlockende Titel der Wanderung „Feenspuren bei Murrhardt“ war wohl ausschlaggebend, dass 14 Wanderfreunde in Fahrgemeinschaften in den Schwäbischen Wald gefahren sind, die Gegend, in der sich bereits vor 2000 Jahren die Römer niedergelassen und den Grenzwall Limes bauten. Wir hatten wieder einmal Glück mit dem Wetter, milde 12°C, kaum Wind und Sonnenschein, für den Monat November ganz selten. War da vielleicht eine Fee im Spiel? 😉 Unsere Rundwanderung bestand aus zwei Teilstrecken der zertifizierten Premiumwanderwege Feenspuren „Waldklingen“ und „Felsenmeer“. Treffpunkt der Wanderung war am Ortsrand auf dem Parkplatz bei der Walterichskirche, oberhalb der Stadt beim Feuersee. Die Kirche ist Walterich, dem ersten Abt (794 – 796) im Benediktiner Kloster Murrhardt geweiht
Nach dem Start forderte gleich ein kräftiger, aber kurzer Anstieg auf einem schmalen Grasweg. Die Landschaft im Schwäbischen Wald ist von Wald geprägt, urige Klingen und Schluchten von zig Bächlein durchzogen. Dem zu Folge erwarteten uns öfters feuchte, lehmige, rutschige, moosige und von feuchtem Herbstlaub bedeckte Pfade, so auch auf dem Abschnitt ins Naturschutzgebiet Hörschbachtal. Mit gutem Schuhwerk und Wanderstöcken waren dafür alle gut ausgerüstet.
Der „Vordere Wasserfall“ nach 5km Länge in der Schlucht stürzt der Hörschbach über eine kompakte Abbruchkante, geologisch „Engelhofer Platte“ genannt, 5 m in die Tiefe
Nach Fotostopp, Bachüberquerung und zweitem Anstieg wanderten wir entspannt auf dem schmalen Hangweg oberhalb der urwüchsigen Schlucht zum „Hinteren Wasserfall“
Zwölf Meter stürzt das Wasser dort in Kaskaden in die Tiefe. Nur schade, dass wieder Niedrigwasser war. Doch dann, ein brausender Wasserschwall! Ein fixer Mitwanderer hat unserem Wasserfall-Erlebnis nachgeholfen, indem er am Staubecken die dafür vorgesehene Klappe geöffnet hat.
Über gut gepflegte Stege und Holztreppen verließen wir die urwüchsige Schlucht, beeindruckt von der Landschaft mit Kuppen, tiefen Rinnen, flachen Wasserstellen und wechselnd steilen und flachen Ufern und erreichten bald die ehemalige Sägemühle.
Mit dem nächsten Anstieg wechselte der Mischwald in puren Nadelwald, dort erreichten wir über schöne, trockene Naturwege den idyllischen und kilometerlangen Grenzsteinweg. Bereits seit 800 Jahren markieren 50 Grenzsteine den Besitz mit eingemeiselten Symbolen. Privatbesitzer erkennt man an der Pflugschar, Stadteigentum an zwei Abtstäbe oder „SM“ und Kirchebesitz an einem Abtstab.
Im stillen Waldstück mit alten, sehr hohen Nadelbäume bewachsen und von der Herbstsonne durchleuchtet, nutzten wir die märchenhafte Stimmung für unsere Mittagspause mitten im Wald und verzehrten unser Rucksackvesper.
Ständig entdeckten wir Pilze und einen Hexenring. Zwei mitwandernde Pilzkenner erklärten uns die Phänomene vom Pilz „Tintling“ und vom „Hexenring“, der auch „Feenring“ genannt wird. Diese kreisförmige Ausbreitung von Pilzen hielt man im Mittelalter als nächtlichen Versammlungsplatz von Hexen und anderen „Schwammgeistern“. Hört sich faszinierend an, hat aber nichts zu tun mit Hexerei.
Auf dem Hoblerbergweg erreichten wir den zweiten Teil der Wanderung, auf dem es ständig bergab ging. Am Friedensstein legten wir eine Gedenkpause ein. Die Stele wurde anlässlich dem Ende des Kalten Kriegs aufgestellt und ist heute ein Mahnmal zum Frieden. Still und bedächtig wanderten wir weiter, nur das Rascheln von trockenem Buchenlaub war zu hören.
Kurze Zeit später erreichten wir das Felsenmeer. Unterhalb einer mächtigen Felswand liegen riesige Stubensandsteinbrocken. Gekonnt trittsicher stiegen wir dazwischen auf dem rutschigen Pfad hinunter. Unten liegt der Römersee, der eigentlich nur ein kleines Biotop ist und als Naturkulisse für Theateraufführungen bei den Römerspielen dient.
Nach knapp 15 km und nach 5 Stunden beendeten wir die belebende Rundtour am Feuersee bei der Walterichskirche.
Zum Abschluß bedankte sich noch die Wandergruppe bei der Wanderführerin Gabriele Degenhart-Rieth für die sehr schöne, gelungene Wanderung im wunder schönen Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.
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